Meine Reiseberichte - LESEPROBEN

Alle Berichte und weitere Texte kann man in meinem Buch "Allein durch Afrika" nachlesen.

Frachtschiff

Israel

Nr.2

Jordanien

Nr.3, Nr.4, Nr.5, Nr.6

Sudan

Nr.7, Nr.8, Nr.9

Äthiopien

Nr. 10, Nr. 11, Nr. 12, Nr.13, Nr. 14

Kenia

Nr. 15, Nr. 16, Nr.17

Tansania

Nr. 18, Nr. 19, Nr. 20

Malawi

Sambia

Nr.22, Nr.23, Nr.24

Simbabwe

Nr.25

Botswana

Nr.26, Nr.27

Namibia

Nr.28, Nr.29, Nr.30, Nr.31, Nr.32

Südafrika

Nr.33

Kapstadt

Nr.34, Nr.35

Leseprobe Reisebericht Nr. 1

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......... Auszug!

Ich lehne an der Reling der „Grande Scandinavia“, einem Frachtschiff der italienischen Grimaldi Lines, und blicke auf die sich langsam entfernenden Hafenanlagen und die langgezogene und von Weitem prächtig anmutende Promenade von Salerno.

Eine gut genährte und geradezu riesige Möwe setzt sich unweit von mir auf das Geländer. Sie tippelt aufgeregt hin und her, blickt mich immer wieder an und stößt ihre schreienden und krächzenden Laute aus, so wie es Möwen überall auf der Welt tun. „Wohin willst du?“ Ich wundere mich, dass ich sie verstehen kann, ist es doch eigentlich eine italienische Möwe. Ich stammele ihr leise zu, so dass mich keiner hört und denkt: der spinnt ja, der redet mit einem Vogel: „Ja, ich will nach Kapstadt. Ich muss mit diesem Schiff übers Mittelmeer und das mit meinem Wilhelm“. Sie erwidert in ihrem kaum zu verstehendem Möwisch: „Du musst wahnsinnig sein. Europa ist schön. Hier in Italien ist es schön. Warum ausgerechnet Afrika? Willst du dich vielleicht umbringen?“ „Nein, wirklich nicht, das hätte ich mit weniger Entbehrungen, mit weniger Stress und weniger Aufwand sicher auch billiger haben können“. Ihr jetzt wieder unverständliches Gekrächze gibt mir plötzlich das Gefühl, dass sie mich nicht ernst genommen hat. Eine seltsame Tragik befällt mich. Die Vorstellung, mich bei all den vielen Tieren Afrikas, denen ich mit Sicherheit noch begegnen werde, rechtfertigen zu müssen, gefällt mir irgendwie nicht.

Ich erinnere mich an meine spontane Entscheidung vor nunmehr zweieinhalb Jahren. Des Alleinseins, des Grübelns und des Erinnerns überdrüssig, musste etwas passieren. Bis zum Ende meiner Tage so weitermachen wie bisher, so wie es mir das Leben aufgezwungen hatte, war mir zu wenig. Ich brauchte wieder ein Ziel, wie schon so oft in meinem Leben, ein konkretes Ziel, das der treibende Motor für mein Streben und für mein Tun sein konnte. So holte ich das Projekt „Afrikadurchquerung“ aus der Mottenkiste meiner Erinnerungen. Es ist übriggeblieben aus der längst vergangenen Zeit meiner Familie, mit der ich Ähnliches, bei einer einjährigen Reise nach Indien und zurück, und zwar auf dem Landweg, bereits erlebt hatte. Es war die schönste Zeit meines Lebens. Daran musste ich anknüpfen.

In Gedanken machte ich mir eine Tabelle. Auf der einen Seite das „Wider“, auf der anderen Seite das „Für“. Gegen das Projekt sprachen viele Argumente: das Reisen ganz allein, die oft zu ertragende Einsamkeit; die Hitze in der Sahara, die gut 50 Grad im Schatten betragen kann (Aber wo ist da schon Schatten?), die labile politische Lage in vielen afrikanischen Staaten mit einer fest verwurzelten Korruption und einer ausufernden Bürokratie, marodierende Banden auf dem Land, oft brutale Kriminalität in den Städten, die so oft nicht vorhandenen oder sich in äußerst schlechtem Zustand befindlichen Straßen, die berüchtigten Schüttelpisten der Wüste, die auch die letzten noch fest sitzend scheinenden Schrauben lösen können, gemeinste Krankheiten aller Art, wilde und gefährliche Tiere, ganz große wie ganz kleine, Spritmangel, Mangel an halbwegs sauberem Wasser, hygienische Zustände, die einem das Grausen lehren und so weiter und so weiter. Diese Seite der Liste wurde immer länger, je öfter ich darüber nachdachte. Auf der anderen Seite stand eigentlich immer nur eins: „Ich muss hier raus!“ Das reichte mir völlig aus, um die Entscheidung zum „Für“ des Projektes schnell und kompromisslos zu treffen.

Die Hafenstadt Salerno, südlich von Neapel gelegen, habe ich nach knapp 1.800 km durchgehender Autobahnfahrt und drei Zwischenübernachtungen am Gardasee, in Rom und in Pompeji erreicht. Der riesige Parkplatz vor dem Hafeneingang sollte noch für zwei weitere Nächte mein Schlafplatz sein, denn wann genau das Frachtschiff ablegt, das mich nach Israel bringen soll, weiß keiner der Hafenagenten so genau.

Also frage ich erst einmal einen der vielen Uniformierten der Guardia di Finanza, der städtischen Polizia oder der Grenzpolizei, die hier zuhauf und meist sichtlich gelangweilt herumstehen, nach der nächtlichen Sicherheit auf diesem Platz. Alles kein Problem, mobile Toiletten kann ich auf dem Hafengelände benutzen, Duschen sind jedoch Fehlanzeige. Mein scherzhafter Hinweis auf die Mafia, die hier möglicherweise präsent sein könnte, wird nicht wahrgenommen, eher schauen die bisher freundlichen Beamten gequält weg. Und so gehe ich ungestört im gesamten Hafengelände spazieren, den Blick aufs Meer gerichtet, auf die nicht erscheinende „Grande Scandinavia“. Zum Passieren des Eingangstores reicht ein bestimmendes „Buon Giorno“, meine rechte Hand zum Gruß an die nicht vorhandene Mütze gehalten. So komme ich mir akzeptiert und einigermaßen wichtig vor. Das macht Eindruck und reicht völlig aus. Für die Sicherheit eines internationalen Hafens eigentlich undenkbar. Italien eben.

Alle drei Stunden sitze ich im Büro der Schiffsagentur, um zu erfahren, wann dieser Seelenverkäufer nun endlich ablegt, bzw. wann er denn überhaupt erst einmal ankommt. Der Angestellte lässt sich zu keiner Aussage hinreißen. Meine Argumentation, wir seien doch in Europa und nicht in Afrika, macht keinen Eindruck auf ihn. Auf meine Ungeduld hin kommt nur der Hinweis auf die Grimaldi Lines, wobei er mit dem gestreckten Finger nach oben zeigt und seine Augen ganz eigenartig zur Decke dreht. Anschließend formt er seinen Mund zu einem Entenschnabel, fährt sich mit Daumen und Zeigefinger oben und unten quer über diesen Schnabel und verharrt mit letzterem Finger hochkant unter der Nase und vor dem Mund. Gut, habe ich verstanden, doch hilft mir dieses Zeichen, das signalisiert, dass Schweigen hier die bessere Variante ist, auch nicht weiter, so oft er das auch wiederholt.

Dann endlich, eines Morgens erscheint das Schiff. Mit dem Fernglas kann ich den Namen am Rumpf deutlich erkennen. Doch ein Einlaufen in den Hafen erfolgt nicht. Im Gegenteil, der Anker wird heruntergelassen, was auf eine längere Liegezeit schließen lässt. Nach acht langen Stunden macht es schließlich Anstalten, an einem freien Kai anzulegen.

Langsam verschwindet das Weichbild der Stadt aus meinem Blickfeld. Die Luft riecht nach verbranntem Schweröl, die dumpfen Vibrationen der Schiffsdiesel sind auf dem freien Oberdeck nur noch leise wahrzunehmen. Die Möwe ächzt ein letztes: „Dann tu, was du tun musst!“ Sie hebt mit ihren breiten Flügeln elegant ab und scheißt schon im Fluge zum Abschied auf den nun nicht mehr sauberen Stahlboden des Schiffes. Ich entscheide mich schnell dafür, dass es ein gutes Zeichen ist. Ich brülle noch „Matthias … verlässt … Europa!“ in den Himmel. Dann wird das Schiff von den Weiten des Meeres verschlungen.

Die „Grande Scandinavia“ ist wahrlich keine Schönheit. Sie sieht aus wie ein quaderförmiger Bauklotz, der auf dem Wasser schwimmt. Das Heck ist senkrecht abgeschnitten. Eine riesige ausfahrbare Rampe schmiegt sich hinten hochkant an den Schiffskörper. Die Außenwände sind glatt, ebenfalls senkrecht und von keinen Öffnungen unterbrochen. Das Oberdeck ist völlig waagerecht. Keine Aufbauten lockern die klotzartige Bauform auf. Selbst der Schornstein ragt nur wenig heraus. Den Bug des Schiffes markiert nur ein stumpfes Dreieck, vom Oberdeck steil abfallend, aus dem Wasser im selben Winkel steil aufsteigend. Selbst die Spitze dieses seltsamen Buges ist abgeschnitten. Ein Vordeck, auf dessen Geländer sich Kate Winslet mit ausgebreiteten Armen von Leonardo di Caprio hätte festhalten lassen können, gibt es nicht. Auf den mir bisher bekannten Meeren dieser Welt, habe ich solch eine Form noch nicht gesehen. Mit 58.000 BRT und 11 Ladedecks ist die Form von einer koreanischen Werft ausschließlich auf einen maximalen Transportraum getrimmt worden. Und so verschwindet mein Wilhelm zwischen mehreren tausend nagelneuen Pkws, Baumaschinen aller Art, Holz, Paletten jeder Größe und jeder Menge kleinerer und größerer Container. Gleich hinter dem riesigen Eingang steht aufwendig verzurrt eine riesige Motorjacht. Jedem Oligarchen der östlichen Hemisphäre würde sie alle Ehre machen. Die Besatzung schätzt sie auf meine Frage hin so zwischen 10 und 50 Millionen Euro. Ausgeladen wird sie in Piräus/Griechenland. Ganz gewiss ist sie für einen reichen und dort fleißig Steuern zahlenden Hellenen bestimmt.

Ein älteres französisches Pärchen, zwei schon etwas betagte schwedische Herren und eine nicht mehr ganz taufrische Französin sind die einzigen Passagiere auf diesem Schiff. Sie machen eine Frachtschiff-Rundreise durch das gesamte Mittelmeer ohne den Pomp von Kreuzfahrten. Bordsprache ist Englisch und so sitzen wir bei jeder Mahlzeit in der Offiziersmesse stundenlang zusammen und diskutieren über Gott und die nicht mehr so nette Welt und das bei fast allen schon etwas älteren Europäern so beliebte Zwangsthema: Die Deutschen und der II. Weltkrieg. Daraus, dass dabei mein eigener Vater auf mehreren dieser Schauplätze beteiligt war, mache ich trotzdem keinen Hehl. Irgendwie scheinen sie sich über mein freundliches Selbstbewusstsein zu wundern. Bei den oft mit Genuss vorgetragenen länderbedingten Unterschieden zwischen uns kann ich mich gut behaupten. Mit genug Humor verschwinden bei jedem von uns die letzten Ressentiments. Gut, die etwa sechzigjährige Französin kann es nicht lassen, alles an meinen meist politisch motivierten Erzählungen Auszusetzende auf meine Herkunft als „Ostdeutscher“ zu reduzieren. Es bereitet ihr sichtbares Vergnügen, mit kleinen und oft etwas fiesen Sticheleien in mir nur einen hinter dem Eisernen Vorhang weitgehend in Unwissenheit Aufgewachsenen zu sehen. Dass ich auch noch ihrem, als Franzose wohl anerzogenen Feindbild eines Deutschen entspreche, würzt die Sache sicher zusätzlich. Nach sechs Tagen reicht es mir. Es ist an der Zeit, durch ein vor versammelter Mannschaft etwas lauter vorgetragenem Statement hier für etwas politische und ethnologische Klarheit zu sorgen. Die folgenden Mahlzeiten zeichnen sich durch betretenes Schweigen von Seiten meiner Mitreisenden aus. Ich gebe mich bewusst freundlich wie immer, schließlich löst sich die Spannung. Und auch meine französische „Erbfeindin“ kriegt sich so langsam wieder ein. Wobei es mich sichtlich amüsiert, wie sie verzweifelt versucht, an ihrer Beleidigtheit festzuhalten.

Bei den Landgängen in Piräus/Athen und in Izmir habe ich die Führung übernommen. Umständlichkeiten, endlose Diskussionen, was anzusehen wäre und die damit verbundene Entscheidungsschwäche kann ich nicht leiden. So viel Zeit haben wir nicht. Ich hänge wieder mal den Deutschen heraus. Das wird tatsächlich honoriert.

Der stockschwule asiatische Steward versorgt uns vorzüglich. Sein schaukelnder und sehr hüftbetonter Gang erinnert mehr an ein etwas zu klein geratenes und nicht mehr ganz junges Model als an einen Seemann. Doch er macht seinen Job gut. Er verwöhnt uns, wo er kann, und sein zackiges morgendliches „Good Morning, Sir!“ tut irgendwie gut. (Soweit eine ausgeprägte Schwuchtel das einigermaßen „zackig“ herausbekommt. Beim zischenden „S“ von Sir hat er jedoch noch Reserven.) Nur nervt es nach sieben Schiffstagen dann irgendwie doch, wenn er bei jeder kleinsten Gefälligkeit ein gesäuseltes „You are welcome“ von sich gibt.

In diesem italienischen Schiff ist alles offen, nichts ist verschlossen, nichts scheint hier, mit Ausnahme weniger Sicherheitsauflagen, verboten. Ich kann zu Wilhelm, sooft ich es will, um Sachen zu holen oder neu zu verstauen. Ich kann die Brücke betreten, sooft ich will. Das transportierte Gut kann auf all den Decks inspiziert werden, ohne dass jemand auf irgendein Verbot aufmerksam machen würde. Italien eben, so wie ich es mag. Der Capitano ist ein netter Seebär, kein Vergleich zum geschniegelten Francesco Schettino der verunglückten Costa Concordia. Seine kleine Crew ist ausnahmslos sehr jung. Die übrige Besatzung wurde ausschließlich aus Philippinos rekrutiert. Die Atmosphäre an Bord ist ausgezeichnet.

Und so vergehen die Tage auf See wie im Fluge. Zwei Tage länger als geplant, doch das stört niemanden. Alles ist bezahlt. Die Verzögerungen sind den langwierigen Be- und Entladevorgängen geschuldet und gehen zu Lasten der Reederei. Das Mittelmeer zeigt sich von seiner besten Seite und das Wetter könnte besser nicht sein. Die Durchquerung der Ägäis mit ihren unzähligen und meist sehr bergigen Inseln bietet reichlich Abwechslung. So kommt Langeweile an Bord nicht auf.

Trotzdem werde ich meine wild durcheinanderpurzelnden Gedanken an den Abschied von zu Hause meist nicht los, immer wenn ich mir irgendwo an Bord ein stilles Plätzchen gesucht habe und versuche, den weiten Blick auf das Meer zu genießen.

Zum ersten Mal habe ich ein Testament gemacht, um darin diejenigen zu bedenken, die seit mittlerweile vielen Jahrzehnten meine engsten Freunde geblieben sind und die in schweren Zeiten immer zu mir gehalten haben. Beim Verteilen meiner Habseligkeiten muss ich mich permanent dagegen wehren, kein Gefühl aufkommen zu lassen, als wenn ich schon gestorben wäre.

......... weiter im Buch!

Leseprobe Reisebericht Nr. 6

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......... Auszug!

Endlich sind alle bürokratischen und finanziellen Formalitäten geregelt. Es war ein Kraftakt der besonderen Art. Das Budget meiner Reise hat eine gänzlich ungeplante und sehr empfindliche Schmälerung erfahren müssen.

Ich verlasse das stressige Amman und bringe Wilhelm zur Containerverladung zurück in die Hafenstadt Aqaba. Die Fahrt dorthin nutze ich jetzt für etwas Tourismus. Endlich ist mein Kopf frei für Derartiges. Es ist kein großer Umweg und so erreiche ich nach einigen Stunden Fahrt durch immer neue Gesichter von Wüstenlandschaften den Ort Wadi Mursa. An dessen Rand liegt die alte Hauptstadt der Nabatäer Petra. Sie gilt mit Ihren über 2000 Jahre alten Überresten als eine der historischen Hauptattraktionen des gesamten Nahen und Mittleren Ostens.

Hier wird jeder Tourist hergekarrt, hält er sich auch noch so kurz in Jordanien auf.

Mein erster Eindruck: Es stinkt! Nein, nicht mir, es stinkt durch die Kacke von geschätzten einhundert Eseln, Pferden und Kamelen. Allesamt zum Transport von lauffaulen Touristen im gesamten weitläufigen Gelände stationiert. Mein Gott, was geben sie denen nur zu fressen? Man muss schon ein bisschen aufpassen, will man nicht ständig in irgendeinem süßlichen Haufen dieser vielen Viecher stehen. Dass die Besitzer der tierischen Taxis jeden Touristen ganz massiv ansprechen, wo immer sie ihn antreffen, ist auch klar.

Hauptsprache, die ich vernehmen kann, ist Russisch, gefolgt von einem schlitzäugigen Gemisch aus Koreanisch, Chinesisch und Japanisch. Am ulkigsten sieht es aus, wenn ein in ein weißes Tuch gewickelter kleingewachsener und sehr dunkelhäutiger Beduine einer Gruppe von ausgesprochen bunt angezogenen Touristen aus Putins Zarenreich in holprigem Russisch versucht, die Geschichte seiner Vorfahren zu erklären. Muss ich an denen vorbei, mischt sich der besagte exkrementale Geruch mit der wohl immer noch sehr beliebten und sehr streng süßlich „duftenden“ Parfümmarke „Moskowskije Duchi“. Etwas Wodka glaube ich auch noch heraus zu schnuppern. Mein Gott, welch ein geruchliches Inferno! Ich ringe nach Sauerstoff, den ich nur bekomme, wenn ich meine Beine in die Hand nehme und gehörigen Abstand suche.

Das Tor zur versteckten Wüstenstadt Petra

Die Nabatäer haben schon einen Sinn für hübsch gelegene Örtlichkeiten gehabt. Die Felslandschaft, die die Schluchten und Täler einfasst, ist wirklich grandios. Die Sonne tut mit ihren verspieltesten Licht- und Schattenspielen ein Übriges. Doch vor dem Genuss von so viel Historie und so viel Landschaft kommt das Ticket. Happige 75 US-Dollar (inklusive Gestank) nur für meine Wenigkeit sind wahrlich gesalzen. Nach diesem Schock erreiche ich die ersten in den Felsen geschlagenen Tempel und Grabmäler nach einem Fußmarsch durch eine ca. einen Kilometer lange, sehr enge und tief ausgewaschene Felsschlucht. Die Übersichtskarte verspricht noch weitere 6,5 Kilometer über Geröll, Fels und Sand.

In meiner ersten Pause gönne ich mir einen Tschai. Einen jordanischen Dinar will der Kopfbetuchte haben. Für einen Tee ist es der blanke Wucher. Ich weigere mich, denn ich kenne mich mittlerweile mit jordanischen Preisen recht gut aus. Nun die obligatorische Frage nach dem Land. Na wie gehabt. „Alemania, very good. Half Dinar“, entgegnet er zufrieden. Nun, mit der Hälfte bin ich einverstanden. Er fragt noch, ob ich Zucker will, schiebt die Dose hin und schaut bitterernst: „But for sugar one Dinar!“ Jetzt platzt es aus ihm heraus. Er lacht herzhaft und klatscht mir in die Hand. Ja, so kann man Arabien gut leiden.

Ich erspare mir die Einzelheiten zu den vielen Grabmälern, Gebäuderesten und Säulengalerien, die man in jedem Reiseführer nachlesen kann. Eine Reise ist Petra auf jeden Fall wert.

Völlig geschafft wieder am Ausgang, fehlt nur ein Gewerbe, mit dem man hier wirklich Geld verdienen könnte: Schuhputzer. Die Schuhe und Sandalen aller Besucher sehen nach den staubigen Märschen wirklich geliebt aus. Darauf angesprochen, lehnen die Beduinen allesamt ab. Das ist unter ihrer Würde! Ich frage mich, ob es wirklich besser und würdevoller ist, nur mit kitschigen Souvenirs oder mit einem geruchsstarken Viehtrieb sein Geld zu verdienen.

Ich finde nur 12 km weiter ein Beduinencamp, in dem ich für zwei Tage etwas relaxen kann. Das Schiff ist eh noch nicht da, und so passt mir das landschaftlich geradezu paradiesisch gelegene Zeltlager sehr gut, um meine Wartezeit zu versüßen. Der Manager lebte vier Jahre in England und spricht demzufolge gut Englisch. So habe ich Gelegenheit lange und gute Gespräche zu führen. Tagsüber unter dicken Zeltplanen liegend, abends am Lagerfeuer ebenfalls liegend. Wie dieser nette Mensch überhaupt nur in der Horizontalen anzutreffen ist, wenn er nicht gerade mal in Richtung Klo durch die Gegend läuft.

Im ganzen Camp gibt es nur zwei Leipziger Studenten und mich als Gäste. Der extrem hell glitzernde Himmel ist Dank der sauberen Wüstenluft so vollgestopft mit kleinen Sternenlämpchen, wie man ihn nur selten zu sehen bekommt. Eine himmlische Ruhe, soweit der Generator noch nicht oder nicht mehr an ist. Der sorgt dafür, dass in den unzähligen Tuffsteinhöhlen ringsum jeweils eine kleine elektrische Lampe leuchtet. Es müssen viele hundert sein und es macht Spaß bei diesem märchenhaften Licht, erzeugt durch die Sterne und den besagten Generator, durch die zerklüfteten Felsen zu laufen. Nur muss ich aufpassen, keine der vielen blühenden Krokusse und der gerade aus der Erde schießenden Wüstentulpen zu zertreten. Die haben sich auf den Sandflächen zwischen den Felsen massenhaft ausgebreitet. Einen Monat weiter, wenn alles blüht, muss es hier wirklich wie in einem Märchenland aussehen, im Dezember!

Ein Freund besucht meinen Beduinen. „I must cook in evening, for two French girls!“ Er vollführt eine unter Männern sehr bekannte, fast schon klassische Hand- und Armbewegung. Verstehe, was er nach dem Essen vorhat. „Girlfriend is in Chicago!“ Wow, ein gefragter Mann in abgerissenen Klamotten mit internationalen Kontakten. Ich frage, was er denn so macht. „I work in donkey!“ Hm, ich schaue ihn etwas ungläubig an. „Friends work in horse, some work in camel.“ Eine Sekunde dauert es, bis ich begreife. Ah, ja. Er ist also einer der Eselstreiber, der mit seinem Tier auf Touristenjagt geht. Ich muss lachen, eine derartige Berufsbeschreibung hatte ich bisher noch nicht vernommen.

Wieder zurück in Aqaba nimmt mich der Manager der dortigen Filiale der Naouri Group mit, um bei der Verladung von Wilhelm dabei zu sein. Wir fahren zu einem großen asphaltierten Parkplatz außerhalb der Stadt, umgeben von Nichts. Hier soll mal ein Gewerbegebiet entstehen, ist aber noch nicht. Komisches Gefühl in meiner Magengegend. Verladung im Nichts, mit Nichts und von Keinem. Plötzlich fällt förmlich ein unhörbarer Startschuss. Ein Pritschenwagen kommt und fährt seine beiden Schienen aus, auf denen Wilhelm auf die Plattform rollen muss. Hm, ein Container sieht eigentlich anders aus. Ich fahre noch ganz ungläubig hinauf. Nun kommt ein Sattelschlepper angefahren, mit einem giftgrünen Container mit der Aufschrift EVERGREEN. Aha! Nun kommen in einem Pkw auch noch ein paar Arbeiter. Händeschütteln. „Alemania is …“ O.k., kenne ich bereits. Jetzt wird es spannend. Die Fahrschienen werden von der Pritsche des Abschleppwagens zur Plattform des Sattelschleppers gelegt, auf dem der Container steht. Ein tiefes Dreieck entsteht zwischen Sattelschlepper und Pritsche. Und da muss Wilhelm rüber. Einer will das für mich machen. Ich kann nur wegschauen. Wenn Wilhelm hier abrutscht?! Der Motor heult auf und … der Landcruiser ist drüben. Mein Herz klopft. Der vordere Teil Wilhelms passt durch die Tür des Containers, der hintere nicht. Also werden die Dachösen abgeschraubt und die Luft der Hinterreifen völlig abgelassen. Nun passt er hinein. Ich beeile mich, mit meinem Kompressor die Reifen schnell wieder aufzupumpen, damit die Karkassen nicht leiden. Keile werden angeschraubt, Gurte angebracht und schon schließt sich die Tür des Containers. Ein dickes Vorhängeschloss beschließt diese professionell und wirklich schnell ausgeführte Verladung. Der Sattelschlepper fährt mit meinem Wilhelm davon und mir kommen die Tränen. Wann und wo werde ich ihn wiedersehen? Nur er kann mir das große Afrika zeigen, das doch immer noch vor mir liegt.

Eine abenteuerliche Verladung

Jetzt komme ich mir mit meinem vorher extra gekauften Koffer, meinem Fotoapparat und meinem Laptop wie ein ganz gewöhnlicher Tourist vor. Schrecklich! Wenigstens eines bleibt mir erhalten, auch wenn es langsam nervt: „Alemania is …!“

Die Shipping Agency vermittelt mir ein sehr preiswertes Hotel ganz in der Nähe des Büros. Die reichlich vorhandenen Luxushotels modernsten Standards harmonieren nicht mit meinem mittlerweile heftig überzogenen Reisebudget. Deshalb lande ich in diesem besonderen Haus. Es war vor langer Zeit das erste 5-Sterne-Hotel Aqabas und ist eine Beschreibung wert. Gekrönte Häupter und Staatschefs sind hier aus und ein gegangen. Viele politische Entscheidungen für die ganze Region wurden hier getroffen. Geholfen hat es nichts, denn seit jener Zeit muss es vollständig in Vergessenheit geraten sein. Der alte Concierge „mit ganz ohne“ Englisch und seinem fast zahnlosen Lächeln passt perfekt zu der Innenausstattung dieses riesigen Klotzes. Sie besticht durch kaputte, notdürftig geflickte oder inzwischen völlig fehlende Details der frühen sechziger Jahre, gemixt mit einer gehörigen Portion arabischen Kitsches. Wo der auch noch kaputt ist, tritt noch einmal ein ganz eigener Charme zu Tage. Der Pool hat schon seit vielen Jahren kein Wasser mehr gesehen, die Teppiche verraten nur noch an wenigen Stellen das einst orientalische Muster. Meine Türklinke ist eine ganz besondere Herausforderung. Sie zu öffnen und zu schließen und dabei auch noch das Schloss zu bedienen, stellt sich bei jedem Betreten und Verlassen des Zimmers als Kunststück heraus. Die Bedienung der Mischbatterie der uralten und durch die Zeit ganz farbenprächtigen Badewanne erfordert ebenfalls ein gewisses Grundwissen im Beruf eines Klempners, will man nicht bei jeder Reinigung die Etage unter Wasser setzen.

Ganz eigenartig und so gar nicht passend ist der Aufzug zu meinem Zimmer in der 3. Etage. Fast lautlos, ohne Ruckeln, teilverglast mit goldfarbenen Glitzerschienen ist es eine Freude „hinaufzugleiten“. Im Grunde mag ich Aufzüge nicht, auch wenn sie noch so modern daherkommen. Meine Platzangst kann ich bis heute nicht wirklich beherrschen. Die Zeiten, als mir das als studentischer Aufzugsführer des Berliner Fernsehturmes nichts ausgemacht hat, sind lange vorbei. Doch zu diesem hier verbindet mich eine vertrauensvolle Freundschaft, je mehr ich ihn benutze. In diesem maroden Hause ein Juwel inmitten von Verfall.

Im Frühstückssaal fehlt bei jedem Kronleuchter ein Großteil der Glasteile. Die hübschen Energiesparlampen, von denen auch nur noch wenige funktionieren, leuchten den Raum in einem ungemütlichen Zwielicht aus. Der letzte arabische Schmuck an Wänden und Decken hält sich noch verzweifelt fest, um ganz zaghaft von besseren Zeiten zu erzählen. Ich bin der einzige Gast, und so beobachtet der in sehr einfacher Straßenkleidung angezogene Bedienstete jeden Bissen, den ich zum Munde führe. Außer Eier braten und Tee kochen hat er eh keine Aufgabe hier. Die nahegelegene Küche besticht durch eine himmlische Ruhe. Das Restaurant scheint auch nicht mehr bewirtschaftet zu werden, für wen denn auch.

Das gesamte Interieur würde sich perfekt zur Produktion eines Geister-, Grusel- oder Horrorfilms eignen. Meine Phantasie arbeitet auf Hochtouren.

Trotzdem fühle ich mich irgendwie wohl hier und ich weiß nicht recht warum eigentlich. Ist es die lange zurückliegende Vergangenheit, in der hier wichtige Personen der Weltgeschichte aus und ein gingen und die mich sichtlich beeindruckt? Ist es das Gefühl einer eigenen Wichtigkeit, dass der Betrieb dieses überdimensionalen Hauses nur wegen mir allein aufrecht erhalten wird? Oder hat es gar seinen Grund darin, dass auch meine besten Tage vorüber zu sein scheinen und ich deshalb eine gewisse Solidarität zu diesem Hause empfinde? Nein, nein, kein derart defätistisches Gedankengut. Ich bin ja gerade deshalb hier unterwegs, um mir und der Welt genau das Gegenteil zu beweisen.

Ein schon etwas älterer Mercedes-Expressbus der Firma JETT bringt mich endlich zurück ins Zentrum von Amman. Der Fahrer hat eine schicke Kapitänsuniform mit Schlips an. Zu ihm gehört eine richtige Stewardess mit leicht schief sitzendem Käppi, die sich während der viereinhalb Stunden um die Fahrgäste kümmert und Tee ausschenkt. Das hat was, ich kann nicht meckern. Na gut, die arabische Musik, die ununterbrochen nur ganz wenig unter der Schmerzgrenze aus den Lautsprechern dröhnt, verhindert jeden Schlaf auf der ansonsten schönen Reise.

Das Hotel in Amman ist akzeptabel. Die Sicht von meinem Balkon heraus ist schon lustig, sagt sie doch etwas über dieses Königreich aus, so wie ich es erlebt habe. Deshalb hier mal eine Panorama-Beschreibung (von rechts nach links):

Das große internationale Hotel Le Meridien mit modernster Architektur, dann Baukräne mit zwei fast fertigen Wolkenkratzern, die auch Dubai alle Ehre machen würden, dann das Parlamentsgebäude mit riesiger orientalischer Kuppel, dann die König Hussein Moschee, die größte des Landes mit zwei hohen Minaretten, dann zwei christliche Kirchen mit weit offenen Toren (keine Beschmierungen, keine Anschläge, kein Stacheldraht zum Schutz – so wie ich es kurz zuvor in Izmir/Türkei gesehen hatte). Im Vordergrund, direkt gegenüber dem Hotel ein Schnapsladen mit reichlich Besucherverkehr, bis 2 Uhr nachts geöffnet. Je später der Abend, desto mehr Käufer in traditioneller arabischer Kleidung kann ich beobachten. Der Besitzer: “Die Moslems hier in der Umgebung saufen mehr wie die Christen!“

Nun noch die Akustik: Das Melodie-Gebimmel der Kirchen¬glocken wird abgelöst vom Singsang des Muezzins, dann die andere Kirche mit gewöhnlichen Glocken und irgendwann wieder der Muezzin – besser kann man dieses weitgehend tolerante Land nicht beschreiben. Man würde es im Mittleren Osten so kaum erwarten. Wäre doch nur überall ein so friedliches Nebeneinander möglich!

Morgen geht meine Maschine nach Khartoum via Dubai. Dann endlich Afrika. Dann wieder ein Kontrast, der bestimmt größer kaum sein könnte. Doch von dort später mehr.

......... weiter im Buch!

Leseprobe Reisebericht Nr. 13

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......... Auszug!

Seit Stunden bewegt sich Wilhelm in einem ständigen Auf und Ab durch die Bergwelt des südlichen Äthiopien. Der Weg führt mich stramm westwärts, einen Großteil der Strecke muss ich ihn wieder zurück fahren auf meiner Route in den Süden.

Ich bin sehr früh aufgebrochen und versuche nun krampfhaft eine Stelle zu finden, an der ich frühstücken kann. Sobald ich aus meiner Kühlbox etwas zu Essen hervorgekramt habe, rennen Männer oder Frauen oder Kinder oder aber alle zusammen auf mich zu. Also Tomaten und Brot wieder einmal beiseitelegen und weiterfahren. Neue Stelle, schöner Blick, ich habe Hunger. Jetzt dauert es erneut nicht lange, bis einer eine Kalaschnikow hochhält und ebenfalls rennt. Nun erst recht: Einen schnellen Bissen in den Mund, Gas geben und weg. Als ich ihn erreiche, sehe ich, wie ungeschickt er die Kanone über dem Kopf hält und sie mir anpreist. Also keine Panik, er will sie mir nur verkaufen. Aber bitte nein, nicht noch eine. Ich hab schon so viele. Ich beschleunige lieber, denn ich weiß ja nicht, wie gerne er schießt und wie treffsicher er mit dem Ding umgehen kann. Also schreibe ich ein geordnetes Frühstück wie so oft ab. Es ist halt Äthiopien.

Hinter einer Bergkuppe bietet sich plötzlich ein Weitblick, der majestätischer nicht sein kann. Das Navi zeigt 1780 m. Ein geradezu riesiges Tal breitet sich vor mir aus. Eingeschlossen von hohen Bergen ist die gewaltige Talsohle annähernd flach. Sie zeigt weit nach Süden, bis sich der Blick in der endlosen Weite verliert. Laut Karte mündet dieses Gebiet in den schon in Kenia liegenden Lake Turkana. In dem dichten Buschwerk dieser Ebene mit den einzeln daraus hervorragenden großen Bäumen sind in weiten Abständen Rauchsäulen zu sehen. Hier müssen die Ansiedlungen der Stämme des Omo Gebietes sein. Ich bin richtig aufgeregt. Ja, das ist es, was ich in Afrika gesucht habe. Ich steige aus und bin gerührt. Solche landschaftlichen Dimensionen sind in Europa nicht zu finden. Das Gefühl, wirklich weit weg von zu Hause zu sein, erzeugt in mir richtige Glücksmomente.

Ich steige wieder ein und fahre bis auf 550 m hinunter. Es wird heißer. Mein Thermometer zeigt jetzt 40,7 Grad. Doch der Weg nach Jinka, dem westlichsten Vorposten der Zivilisation und Ausgangspunkt der Touren zu den Stämmen des Omo Valleys, ist noch weit. Plötzlich geht es wieder massiv bergauf. Das Tal war also noch nicht das des Omo Flusses, sondern das des Weyto. Egal, das ganze Land ist atemberaubend schön! Noch eines ändert sich. Die Kinder, die die Herden hüten, haben lange Buschmesser, bei denen das Ende gebogen ist wie bei einem arabischen Krumdolch. Die Männer sind fast alle mit Gewehren bewaffnet. Viele Kinder sind komplett nackig. Bei der Kleidung verschwinden langsam die so beliebten Shirts vom FC Barcelona, Real Madrid oder der äthiopischen Nationalelf. Traditionelle Stoffe, Lendenschurz und viel bunter Schmuck sind Zeichen, durch die sich die einzelnen Stämme der Bume, Karo, Galeb, Bodi, Mursi, Surma, Arbore und Hamer unterscheiden. Körperbemalungen und kunstvolle Vernarbungen der Haut ebenfalls. Zu den exotischsten Stämmen weltweit gehören sicher die Mursi, bei denen die Frauen bis zu 15 cm große Tonteller in die Unterlippen und die Ohrläppchen einsetzen. Gegessen und sicher auch gelacht wird ohne diese doch etwas unpraktischen Schönheitsutensilien. Dann hängen die geweiteten Lippen und Ohren wie eine schrumplige Ziehharmonika am Kopf herunter.

Diesen Stamm will ich besuchen und frage nach einem Führer, ohne den ich in dieser weiten Landschaft keine Chance habe. Zusammen mit einem extrovertierten Jordanier, der 26 Jahre in Los Angeles gelebt hat und nun schon seit drei Jahren um die Welt reist, teile ich mir die Kosten. Weite 62 km Piste sind es von Jinka bis zu den Dörfern der Mursi. Vorher wollen die Verwaltung des Nationalparks, das Tourismusministerium und die regionale Verwaltung ihren Obolus. Ein bewaffneter Scout, der ebenfalls bezahlt werden will, begleitet uns im Auto. Ganze 700 Birr kommen zusammen.

Nach vielen staubigen Kilometern Fahrt stehen nun die Mursi vereinzelt links und rechts der Piste. Besonders die Frauen erkennt man sofort an ihren Tellerlippen. Sie sehen schon seltsam aus. Hörner, Tonkrüge und andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs müssen als Schmuck herhalten und hängen irgendwo am Körper. Das so unentbehrliche Schnellfeuergewehr russischer Bauart, als mit Abstand modernstem Utensil, darf auch nicht fehlen.

Dann das erste „Dorf“. Keine relativ stabilen Rundhütten, wie ich sie bisher so zahlreich gesehen habe, sondern leichte, aus Stroh geflochtene kleine igluartige Behausungen sind ihre Unterkünfte. Mitten im Busch haben sie ihr Lager aufgeschlagen. Irgendwelche Wege gibt es nicht. Viele großflächige Schwelfeuer qualmen am Boden. Das Bild erinnert mich an ein Museum für Ur- und Frühgeschichte aus meiner Kindheit. Und wirklich, die Steinzeit könnte nicht unkomfortabler sein. Doch auch das ist unsere Welt: Menschen, die seit Tausenden von Jahren völlig unverändert leben. Aber etwas ist doch anders: Das von unserem Führer angekündigte Spektakel geht los. Innerhalb von Sekunden werden wir vom halben Dorf umzingelt. Kinder, Frauen und Männer stellen sich allein oder in Gruppen in Positur und rufen: „Foto, Foto!“ Sie kommen aufdringlich immer näher, zupfen an unseren Sachen. „Five Birr, five Birr!“ ruft es von allen Seiten. Die Kinder brüllen „You, you, you!“ Der etwas verrückte Jordanier beginnt sofort, seine mit dem Zeigefinger zusammengestellten Gruppen zu bestimmen, um seine Fotos zu machen. Unser Guide rennt mit Packen von kleinen Geldscheinen von Motiv zu Motiv: Eine Person 5 Birr, Mutter mit Kind 7 Birr, Kinder einzeln 3 Birr. Bei Gruppen wird akribisch addiert. Mir ist ganz schlecht, noch kein einziges Foto habe ich gemacht. Doch mir bleibt nichts anderes übrig, als mich dem bösen Spiel anzuschließen, will ich nicht ganz ohne Bilder zurückkehren.

Es ist heiß, es ist staubig, die Feuer stinken und alles klebt am Körper. Meine Hände und Arme fühlen sich vom ständigen Zwacken und Anfassen nicht sehr nett an. Am zartesten sind noch die ganz Kleinen, die vorsichtig ertasten, ob sich die weiße Haut auch so anfühlt wie die ihre. Ständig werden Geldscheine gewechselt. Nach einer guten Stunde hebe ich nur noch die Arme und versuche aus den Menschengruppen davonzulaufen. Mein Geld ist alle, das kapiert nur keiner. Immer wieder folgen sie mir. Nun ist sogar der Jordanier fertig und genervt. Wir flüchten ins Auto und fahren los. Fast jede der Frauen (die mit den Tontellern), einige der Männer (die mit den meisten Narben) und wenige Kinder stehen mit Packen von kleinen Geldscheinen in der Hand und sehen uns nach ohne zu winken. Sie haben ihr Geschäft gemacht und warten auf das nächste Fahrzeug. Endlich ist dieser Spuk vorbei.

Bei Ihr fühle ich mich sicher

Diese Art von „Tourismus“ sorgt dafür, dass diese Eingeborenen ihre traditionellen Methoden des Überlebens vergessen. Feldbau und Viehhaltung lohnen sich angesichts der neuen Einnahmequellen nicht mehr. Stattdessen hält der Alkohol Einzug in ihr Leben. Bei den anderen Stämmen ist das nicht so ausgeprägt. Ihre Erscheinungsformen sind ebenfalls sehr traditionell, doch bei Weitem nicht so exotisch anzuschauen wie bei den Mursi. Allerdings will der Besucher Extreme sehen, nur das macht den Kick. Letztlich geht es mir nicht viel anders. Jedenfalls erspare ich mir weitere Dörfer von weiteren Stämmen. Die Praxis des Fotogeldes ist fast überall ähnlich belastend.

Ich beschließe stattdessen, am nächsten Tag den Markt von Key Afer zu besuchen. Hier kommen die unterschiedlichsten Stämme zusammen, um ihre Handwerksarbeiten, ihr Vieh oder ihr Gemüse zu verkaufen. Vielleicht gelingen mir hier noch ein paar schöne Aufnahmen.

Im Camp, in dem ich meinen Schlafplatz gefunden habe, kann ich fast genüsslich einen anderen Stamm beobachten. Hosen bis über die Knie, barfuß mit eigenartigen Sandalen, Knubbelfüße, weite und oft viel zu große Hemden und ein wahrhaft ulkiges Sammelsurium an Hüten. An ihren Rücken sind eigenartige Säcke mit Gurten festgebunden. Als Schmuck hängen jede Menge technisch aussehende Apparate um ihren Hals. Die Augen sind hinter dunklen Scheiben in vielen Größen verborgen: Der Stamm der westlichen Touristen. Jedenfalls stelle ich mir vor, dass es die schwarzen Bewohner des Omo Valleys so sehen müssen. Schön ist jedenfalls anders!

Neben meinem Fahrzeug hat es sich eine Gruppe außergewöhnlich alter Franzosen in acht kleinen Igluzelten „gemütlich“ gemacht. Ich bewundere ja ihren Mut, gerade in ihrem Alter die oft katastrophalen hygienischen Bedingungen hinzunehmen und auf kargen Zeltböden zu übernachten. Als Frühaufsteher kann ich jeden Morgen beobachten, wie fast auf Kommando Reißverschluss für Reißverschluss geöffnet wird und die alten Leutchen stöhnend aus ihren Behausungen kriechen. Die meisten brauchen eine Weile, bis sie den aufrechten Gang gefunden haben. Auch am nächsten Morgen, ich bin fast ein bisschen fies, stelle ich meinen Campingstuhl in Position, um dieses putzige Schauspiel, das schon eher einem Ritual gleicht, zu beobachten.

Natürlich erinnere ich mich daran, dass ich in meinem Büro vor der Reise irgendwelche Akten auf dem Teppichboden sortiert habe und nach einer halben Stunde Schneidersitz auf hartem Boden kaum noch hoch kam. Ein gefundenes Fressen für meine Sekretärin, die von meinem Projekt nie wirklich begeistert war. Sehr kurz und etwas schnippisch: „Aber nach Afrika fahren!“

Wieder einmal bin ich früh dran. Zu früh, denn nur langsam füllt sich der Platz, auf dem der traditionelle Markt stattfindet. Hier sollen die vielen Ethnien zusammenkommen, um sich zu versorgen. Ich schlendere über den Platz und halte plötzlich eine Kinderhand. Ein kleiner Junge hat sich meine geschnappt und läuft mit mir, als wenn ich sein Vater wäre. Schnell wird die andere Hand von einem kleinen Mädchen in Beschlag genommen. Ich muss meine Finger spreizen, denn jede Hand wird von einer weiteren Kinderhand festgehalten. Andere Kinder kommen und halten sich an meinen Armen fest. Mit einer großen Traube von Kindern, keiner sagt etwas, laufe ich als einziger Weißer über den Markt. Es ist rührend. Ich gebe eine Runde Bananen aus, doch die können nicht reichen, immer mehr Kinder begleiten mich. Letztlich bleibt mir wie so häufig nur noch die Flucht. Auf dem Weg zum Auto schlägt die Stimmung um, die ungestüme und laute Bettelei geht los. Es wird schon schwierig die Tür zu schließen. Nichts wie weg, natürlich ohne Fotos pittoresker Ethnien.

Den Weg zurück nach Konso, von dem aus eine 110 km lange Schüttelpiste mit einer Abkürzung bis zur Verbindungsstraße nach Kenia führt, genieße ich wie bei der Herfahrt. Weite Ebenen, hohe Berge, Einsamkeit, Hitze. Wieder halte ich mehrmals an, um den Blick schweifen zu lassen. Als mir vier Landcruiser mit Touristen aus Adis Abeba entgegenkommen, werde ich jäh aus meiner Schwelgerei gerissen. Ich stelle mir vor, was sie erleben werden, wenn sie den Völkerzoo besuchen.

Und so sind meine Gefühle sehr geteilt. Soll man diesen Menschen ihre Ruhe lassen? Dann muss man sie abschirmen, von der Welt trennen. Das bedeutet Zwang. Oder haben sie ein Recht von den „Segnungen“ der Zivilisation auch etwas abzubekommen? Auch mit der realen Gefahr des Untergangs ihrer traditionellen Kultur und Lebensweise? Ein weiterer Fakt spricht dafür, dass es zu Letzterem kommen wird. Der äthiopische Staat plant am Oberlauf des Omo einen gigantischen Staudamm samt Kraftwerk. Es soll angeblich der größte Afrikas werden. Straßenbaumaschinen in großer Zahl habe ich bereits gesehen. Der damit entstehende riesige See wird das gesamte Territorium nebst dem Klima dramatisch verändern. Und damit ändert sich auch der natürliche Lebensraum des „Museums der Völker“. So, wie es „noch“ ist, wird es nicht bleiben. Die Welt wird dadurch ärmer, Äthiopien dafür an Elektroenergie reicher. Dass das Land diese Energie dringend benötigt, sehe ich an den täglichen Stromsperren. Schade ist es allemal, weil wieder einmal unersetzliche menschliche Vielfalt verschwindet.

Dazu kommt zu allem Übel auch noch der kriegerische Konflikt mit dem Nachbarn Kenia, der bereits im vollen Gange ist. Der Omo ist der einzige natürliche Zufluss zum kenianischen Turkana See, dessen Wasserspiegel schon jetzt dramatisch absinkt. Wieder ein Kampf um Wasser auf dieser Welt. Und der wird sich an vielen Stellen weiter verstärken, je mehr Menschen unseren Planeten bevölkern.

Fast eine Woche hat dieser „Ausflug“ zum Ursprung unserer Menschheit gedauert. Ich habe ihn nicht bereut. Doch ich habe auch viel nachdenken müssen über das, was ich gesehen habe. Zu einem Ergebnis bin ich doch meist nicht gekommen.

Jetzt führt mein Weg langsam wieder nach Süden. Dort liegt mein Ziel - und das ist immer noch weit weg.

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Leseprobe Reisebericht Nr. 17

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......... Auszug!

Nach gut zwei Stunden verlasse ich den 500 km langen sogenannten „Hell‘s Highway“ von Nairobi nach Mombasa, der für seine vielen Unfälle und für seinen irrsinnigen Verkehr mit kamikazefreudigen Fahrern von Matatus, Überlandbussen und Lkw‘s jeder Größe so berühmt ist und bin ganz froh darüber. Von Emali führt eine Straße nach Süden und nach 100 Kilometern direkt auf den höchsten Berg Afrikas zu. Der Kilimandscharo ist mit seinen 5899 Metern zu einem Symol für ganz Afrika geworden. Der größte freistehende Berg der Erde, der damals zur Deutsch-Ostafrika gehörte, wurde bei seiner Erstbesteigung 1889 durch den Leipziger Hans Meyer „Kaiser Wilhelm Spitze“ getauft. Diesen Namen behielt er bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1961. Dass er beim Geschacher der europäischen Mächte um koloniale Besitztümer ein Geschenk Königin Victorias an ihren Enkel Kaiser Wilhelm II. war, gehört eher in das Land der Legenden als nach Ostafrika. Trotzdem steht er noch heute in Tansania, dessen Grenze zu Britisch-Ostafrika von Deutschland und England ganz willkürlich direkt am Fuße des Vulkans ausgehandelt wurde. Durch den Lauf der Morgensonne und den steilsten Abhang nach Norden ist die Sicht auf diesen beeindruckenden Vulkan von Kenia aus am schönsten. Nur von hier aus sind der Hauptkrater und der spitze Überrest eines Nebenkraters, Kibo und Mawenzi, wie auf einer riesigen Panoramatapete gleichzeitig zu sehen.

Die Fahrt führt mich durch eine phantastische Weite wunderschöner Savannenlandschaft, die durch viele kleinere Bergkuppen ihre vulkanische Vergangenheit nicht verleugnen kann. Nur wenige Autos begegnen mir, und so ist es kein Wunder, dass viele Wildtiere keine Scheu haben, bis fast an die Straße heran zu fressen. Ich fahre ganz langsam, um möglichst keine Tierbegegnung zu verpassen. Über den Baumwipfeln lugen oft nur die Köpfe der Giraffen hervor und schauen mir ganz lustig hinterher. Affen interessieren sich nicht sonderlich für Autos und sitzen völlig ungeniert am Straßenrand. Ich bin schon eine Weile ganz aufgeregt, denn gleich muss er kommen, der erste Blick auf den riesigen Berg. Und endlich ragen die gewaltigen Flanken samt dem etwas kleineren Zweitkrater aus der Landschaft empor. Vor lauter Übermut jauchze ich laut und versuche irgendjemanden anzurufen. Ich muss mein Glück einfach teilen. Doch Tiere gucken, Berg gucken, auf die Straße achten, lenken und eine Nummer auf dem Handy wählen ist einfach mal zu viel. Letzteres muss ich verschieben, meine Augen haben genug zu tun. Leider ist die schneebedeckte Kappe noch nicht zu sehen. Ein Kranz aus dichten Wolken umgibt die Spitze, eigentlich besser die „Stumpfe“, wie ein Ring. Da muss ich mich wohl bis zum nächsten Morgen gedulden, denn kurz nach Sonnenaufgang soll man meist mehr Glück haben.

Ich nächtige im Ort, dessen Namen ich mir nicht merken und nur schwer aussprechen kann: Oloitokitok, direkt am Fuß des Vulkans gelegen. Es ist ein ehemaliges Massaidorf, das zu einer unansehnlichen Kleinstadt geworden ist. Selbst ausgesprochen traditionell gekleidete Massai sitzen in den Kneipen und trinken reichlich Bier und Schnaps, mit den zu beobachtenden Folgen. Irgendwie tun sie mir leid. Groß gewachsen, kräftig gebaut, in ihre roten Tücher gehüllt und mit Perlenschmuck behängt, machen sie einen stolzen Eindruck. Doch mit einer Hand den Speer und in der anderen die Flasche haltend, geht hier wohl eine ganze Kultur vor die Hunde. Nicht die erste auf der Welt, die dem Alkohol der Weißen zum Opfer gefallen ist.

Bei einem Rührei ohne alles, denn alles andere ist einfach mal aus, schaue ich am Abend in der kleinen Bar eines winzigen „Hotels“ zwangsweise das viel zu laut aufgedrehte Fernsehprogramm von K 24. Trotz Kisuaheli bekomme ich mit, dass heute eine Granate in einer Strandbar von Diani Beach an der Küste südlich von Mombasa eingeschlagen ist. Tote und Verletzte sind zu beklagen. Mir wird ganz schlecht, denn in drei Tagen will ich eigentlich ein paar Tage in Tiwi Beach verbringen, das nur ganze drei Kilometer weiter nördlich gelegen ist. Noch weiß keiner, wer den Anschlag verübt hat. Somalische Rebellen, die den westlich ausgerichteten Nachbarn treffen wollen, oder sich bekriegende Banden, die sich über mögliche Schutzgelder nicht einig wurden? Soll ich meine geplante Route ändern? Ich weiß es nicht und verschiebe die Entscheidung erst einmal.

Es ist noch fast dunkel und ich bin schon wach. Ich muss raus aus Wilhelm und schauen, ob der Kilimandscharo zu sehen ist. Denn irgendwie ist mir dieser Berg wichtig. Markiert er doch in etwa die Mitte Afrikas und damit auch die Mitte meiner Reise. Einen gewissen Stolz, allein bis hierher gekommen zu sein, möchte ich mir gönnen!

Ich öffne das Tor des kleinen Guest Houses, in dem ich einen Schlafplatz gefunden habe und in dem so gar niemand lächeln kann. Und wow! Gänsehaut von den Haarspitzen bis zu den Füßen. Da steht er. Majestätisch und völlig unverhüllt, in klarer Luft und von herrlichem Sonnenschein verzaubert. Sofort muss ich los, Standorte für gute Bilder suchen. Meine neue, alte Kamera muss es vielfach festhalten: Ich war hier, ich und mein bisher so treuer Wilhelm.

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Der König Afrikas – der Kilimandscharo

Leseprobe Reisebericht Nr. 21

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......... Auszug!

Willie, ein ursympathischer südafrikanischer Bure, ist ein knallharter Hund und ein absolutes Unikum obendrein. Jetzt, mit schon 67 Lenzen, scheint er geradezu zahm geworden zu sein. Aus seinen abendfüllenden Erzählungen kann ich allerdings entnehmen, dass er ein sehr bewegtes Leben hinter sich hat. Soldat, Söldner, Security, und das oft weltweit. Als am ersten Abend Jan und Piet, ebenfalls südafrikanische Buren, dazukommen, ist eine waffenverliebte Truppe beisammen. Lustig, laut und trinkfest sind die Attribute dieses Abends. Sie hassen die Engländer und lieben die Deutschen, leider fast immer im Zusammenhang mit Krieg oder Gewalt. Ich bin nicht unbedingt bekannt dafür, linkem Gedankengut allzu nahe zu stehen, doch was ich hier an rechten bis ultrarechten Ideen zu hören bekomme, verschlägt selbst mir den Atem.

Die Buren, französische, deutsche, vor allem aber holländische Bauern, sind schon seit 1652 in das südliche Afrika eingewandert und haben sich damit noch weit vor den meisten schwarzen Stammesbewegungen dort angesiedelt. Sie bildeten in strenger Apartheid und mit dem Halten von Sklaven eigene Republiken. Ihre Sprache, das Afrikaans, ist in der Westhälfte Südafrikas noch heute gängiges Verständigungmittel. Sie wiedersetzten sich ganz vehement der englischen Expansion, die die Sklaverei verbot und auf keine Territorien in ihren ebenso kolonialen Einflusssphären verzichten wollte. Mehrere, von beiden Seiten äußerst brutal und verbissen geführte Burenkriege waren die Folge. Hier wurden von den Briten die ersten „Konzentrationslager“ zur Internierung nicht nur burischer Soldaten, sondern auch von Frauen und Kindern errichtet. Dass die Nazis den Begriff und die Art und Weise dieser Lager gerade von den Engländern übernommen und zur grausamen Perfektion weiterentwickelt haben, ist eine fast unglaubliche Fußnote der Geschichte.

Diese Kriege sind Teil von der Geschichte dieser stolzen Buren und bestimmen noch heute erstaunlich weitgehend ihr Denken. Willie zeigt mir die Kopie einer Londoner Zeitung von 1902, in der heroisch über die Zahlen der getöteten Buren, (537 Männer, 324 Frauen und 82 Kinder) berichtet wurde. Sein Hass auf die Briten ist in seinen Beschreibungen allgegenwärtig. Die Demokratie des heutigen Südafrika verachtet er nur.

Er bringt einen ganzen Stapel von hölzernen Erinnerungsplaketten, jede in Form einer breiten Pfeilspitze, handflächengroß mit einer aufgeklebten kupfernen Scheibe, auf der neben gekreuzten Maschinengewehren, Raketen oder Munitionsgurten die Namen und die Jahreszahlen von militärischen Operationen gegen Terroristen (schwarze Befreiungsbewegungen) eingraviert sind. Voll Stolz berichtet er von den Gemetzeln der völlig ungleich bewaffneten Gegner.

Meine Frage, warum er als Südafrikaner heute gerade in Malawi lebt, erfährt eine verrückte Antwort: „Wenn auf der Welt irgendwelche Atombomben abgeworfen werden, dann garantiert niemals auf Malawi. Dieses Land ist viel zu klein und zu unbedeutend“. Hm, auch eine Meinung.

Einem Satz Willies kann ich selbst mit meinen bisherigen Erlebnissen bereits uneingeschränkt zustimmen: „Ohne ausufernde Korruption, ohne die latente Tierquälerei der Schwarzen und ohne die drückende Armut wäre Afrika das Paradies auf Erden.“

Die Fahrt durch Malawi gestaltet sich angenehm. Die Landschaften sind abwechslungsreich, die Straßen annehmbar und quälen Wilhelm kaum. Die meisten Rindviecher stehen online (sprich: an der Leine) auf den Grasrändern und stellen keine Gefahr dar. Die Vormittage sind sonnig, erst gegen Mittag ziehen Wolken auf, die bis zum Nachmittag ihre volle Gewalt mit Gewitter und Regen entladen. Im Platzregen warte ich am Straßenrand, liege im Auto, studiere Landkarten und lese. Bei dem oft folgenden und recht harmlosen Landregen fahre ich weiter, um mein Tagesziel zu erreichen.

Plötzlich laufen mir Kinder entgegen und stoppen mich ganz aufgeregt. Doch dieses Mal nicht wie sonst zum Betteln, sondern mit heftigem Hinweis auf ein riesiges Loch in der Straße. Auf 2/3 der Straßenbreite klafft es ganz senkrecht und etwa einen Meter tief in die Erde. Obwohl links und rechts des zwischen Feldern gelegenen und etwas höher verlaufenden Straßendammes keine Wasseransammlungen zu sehen sind, wurde die Fahrbahn unterspült und nur wenig vor mir zum Einsturz gebracht. Mir pocht das Herz, denn hier wäre meine Reise zu Ende gewesen, hätte sich dieser Einbruch zu spät gezeigt. Über das, was mir selbst passiert wäre, will ich lieber nicht nachdenken. Ich rolle angespannt und betont langsam über den schmalen Rest der Fahrbahn. Sie hält! Über viele Kilometer traue ich dieser Straße nicht mehr, doch ich habe keine andere Wahl. Ich muss hier lang.

Nach ein paar Tagen erreiche ich das Gate des Liwonde Nationalparks im Süden Malawis. Da Regenzeit ist, bin ich der einzige Besucher. Der Ranger will mich nicht so recht passieren lassen, doch das Eintrittsgeld für mich und mein Fahrzeug will er sich dann auch nicht entgehen lassen. Ich bekomme Instruktionen, wie ich mich zu verhalten habe. Nur bis zur ersten Brücke fahren, dann seitlich weiter bis zum Fluss und wieder zurück. Nicht aussteigen, auch nicht für ein schnelles Foto. Vorsicht vor den Elefanten. Immer auf den Wegen bleiben. Nicht ins offene Gelände fahren, die Gefahr des Steckenbleibens ist zu groß. Wenn es zu regnen beginnt, sofort umdrehen und zum Gate zurück. Hm, mal sehen, was mich erwartet, dann entscheide ich, was ich mache. Immerhin habe ich meine Dollars für einen ganzen Tag bezahlt. Er erklärt mir die Karte des Parks und verabschiedet mich mit einem nicht sehr Vertrauen erweckenden: „I will be happy, if I see you again!“ Ich antworte ihm: „Believe me, I will be very happy too, if I see you again!“ Wilhelm startet durch und fährt durch das aufgeweichte Gelände. Nach weniger als einem Kilometer habe ich das Gefühl in einem übervollen Tierpark, völlig ohne Zäune, zu sein. Links und rechts der Fahrspur grast jede Menge Wild: viele Antilopenarten, Warzenschweine, Springböcke, Kudus, Affen und Elefanten.

Die Wege führen über schräge und unglaublich breite Flächen, die vor kurzem noch von reißenden Wassermassen überspült gewesen sein müssen. Sandspülungen, zusammengeschobene Felsbrocken und mitgerissene Baumstämme blockieren die Spur. Ich muss einfach aussteigen, um Äste oder Steine aus dem Weg zu räumen. Ich beeile mich dabei heftig und schaue mich ständig um.

Tiefe Rinnen hat das Wasser gegraben. Wilhelms Allraduntersetzungen bewähren sich wieder einmal bestens. Trotzdem schwitze ich durch meine Aufregung ganz heftig. Es ist ein tolles Gefühl, hier völlig allein in der weiten Landschaft zu sein, inmitten dieser vielen Tiere. Angst habe ich keine. Sollte ich nicht wieder herauskommen (So hoffe ich jedenfalls!) würde doch sicher nach mir gesucht werden. Ein blöder Gedanke kommt auf: Als völlig unerfahrener Jäger hätte selbst ich hier eine Chance. Man kann gar nicht danebenschießen, so dicht steht das Wild. Auch den Appetit auf ein gutes Wildsteak schiebe ich von mir. Nein, Matthias! Ich bin ja nur hier, weil die Tiere geschützt sind, jedenfalls weitgehend.

Die dritte Brücke, die ich überfahren will, sieht nicht gut aus. Auf offensichtlich schon recht morsche Holzbalken sind nur lose Bretter aufgelegt. Die sollen Wilhelms 3,5 Tonnen aushalten? Viele Kudus glotzen völlig regungs- und verständnislos auf mich und mein Fahrzeug. Ich rede betont laut mit mir und rolle langsam heran: „Ich habe ein gutes Gefühl!“ Nochmal und nach einem Meter noch etwas lauter: „Ich habe ein gutes Gefühl!“ Und wow, ich bin drüben und: Ich hatte kein gutes Gefühl!

Vorsichtig nähere ich mich einer kleinen Elefantenherde. Auf einer riesigen Wiese, die mit kleinen Baumgruppen bewachsen ist, fressen sie friedlich und bewegen sich dabei ganz langsam weiter. Die beiden Babies tollen herum, werden aber von einer Kuh ständig wieder in den Kreis der Herde zurückgeholt. Ich möchte die beiden Kleinen fotografieren und fahre noch dichter heran. Immer noch keine gute Position, weil sie ständig von den größeren verdeckt sind. Noch ein paar Meter, dann muss es gelingen. Ich halte gerade den Apparat in den Händen, als einer der Elefanten sich direkt zu mir dreht, die Ohren hochstellt, laut trompetet und heftig nickend auf mich zustürmt. Gott sei Dank, der Motor läuft und Wilhelm steht quer zu dem Angreifer. Dadurch gelingt mir noch ein schnelles Foto und ich brause davon. Hinter Bäumen halte ich an und blicke zurück. Uff, er hat aufgegeben und ist zur Herde zurückgelaufen. Herzklopfen, aber ganz stolzes Herzklopfen. Alles ist gut gegangen und ich habe ein wirklich tolles Foto!

Angriff

Eigentlich will ich bis zu den Nashörnern, die in einem nochmals abgezäunten und äußerst streng bewachten Gebiet des Nationalparks gehalten werden. Sie sind ja in ganz Afrika weitgehend ausgerottet (Originalton eines weißen Malawiers!), weil die Chinesen mit ihren kleinen Schwänzen fest daran glauben, dass das pulverisierte Horn dieser Tiere ihre Potenz erhöht, damit es bald noch mehr Chinesen gibt!

Es beginnt zu regnen. Doch ich bin mittlerweile viel tiefer im großen Nationalpark, als der Ranger empfohlen hatte. Ich beherzige seinen Rat und kehre um. Es dauert noch Stunden, bis ich das Gate wieder erreiche.

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Leseprobe Reisebericht Nr. 35

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......... Auszug!

Die Turbinen heulen auf, ich werde in meinen Sitz gedrückt und die Maschine hebt ab. Mein junger französischer Sitznachbar schaut mich etwas seltsam an, als ich etwas lauter und wie auf der Brücke eines Schiffes zu mir selbst und etwas auseinandergezogen spreche: „Matthias … hat … den … Kontinent ... verlassen!“ Die Erinnerung an die Grande Skandinavia kommt auf, die vor fast sieben Monaten aus dem Hafen von Salerno ausgelaufen ist, um meinen langen Weg zu eröffnen.

Mein Gott, Afrika, der geschundene Kontinent, das schier unheilbar verwundete Paradies und doch der Ursprung der Menschheit: Ganz unberührt und wunderschön, völlig übervölkert und abgrundtief hässlich, unsäglich arm und vor Reichtum strotzend, duftend und furchtbar stinkend, freundlich und unvorstellbar grausam, liebevoll und einfach nur brutal, satt und herzzerreißend hungrig, hoffnungslos und voller Phantasie, kunterbunt und abstoßend schmutzig, laut und totenstill, zuvorkommend und erschreckend korrupt, rührend hilfsbereit und rücksichtslos! Alles habe ich in den so verschiedenartigen Ländern dieses Erdteiles mit seiner so gewaltigen Landmasse gefunden, wenn ich die Augen aufgemacht und nicht verschämt weggeschaut habe. Wie leider überall auf der Welt, möchte man erwidern. Nein, hier besonders krass und besonders extrem. Viel zu viele aber schauen weg und denken, mit ein paar gespendeten Säcken voller Reis ist die Sache erledigt. Nein, dieser Kontinent wird das zivilisierte Abendland noch stark beschäftigen, wenn alles so weitergeht wie bisher.

Nach unzähligen Gesprächen, Diskussionen, ja nach meinen eigenen Erfahrungen habe ich auch keine Lösung. Meine Ideen für ein Afrika in Wohlstand und Gerechtigkeit sind immer höchst zwiespältig und eigentlich völlig unrealistisch: Alle (!) Afrikaner erst einmal in eine vernünftige Schule zu schicken, die Entwicklungshilfe bis auf Katastrophenhilfe restlos zu streichen, den Religionen ein Predigen für ein ungebremstes Bevölkerungswachstum zu verbieten, alle so sorgsam gepflegten Stammeszugehörigkeiten einfach abzuschaffen, korrupte Politiker einfach an die Wand zu stellen oder wieder einen europäischen Gouverneur mit einer militärischen Schutztruppe einzusetzen, kamen mir abwechselnd in den Sinn. Letzteres, weil es schon erstaunlich war, wie viele verzweifelte Schwarze sich für ihr Land den Status einer europäischen Kolonie zurückwünschten.

In meinem Kopf schwirren die wie wild durcheinander purzelnden Erinnerungsfetzen hin und her, während das weite Land unter dem Flugzeug immer kleiner wird. Unwillkürlich ziehe ich ein Resümee meiner Reise mit einer Statistik, die eher nüchtern ist: Sechseinhalb Monate, zusammen 190 Tage, war ich unterwegs. Durch drei europäische, zwei asiatische und elf afrikanische Länder bin ich gefahren, insgesamt 23.000 Kilometer weit. Die Frage nach den Kosten kann ich noch gar nicht beantworten, hängt sie doch auch ganz wesentlich davon ab, wie ich meinen Wilhelm wieder verkaufen kann. Ein sehr komfortabler Pkw käme allemal zusammen. Doch für europäische Campingplätze ist Wilhelm viel zu schade. Ich glaube es zieht ihn wieder hinaus in die Wüsten, die Steppen und den Busch dieser Welt. Dafür wurde er gebaut und dafür wurde er ausgestattet. Da muss er wieder hin. Aber in den nächsten Jahren kann ich solch ein Unternehmen nicht wieder stemmen, schon gar nicht allein.

Die süße türkische Stewardess mit der viel zu großen Nase, die dennoch so perfekt zu ihrer Schönheit passt, stört meine kruden Gedanken mit einem Tomatensaft, den ich noch vor dem Abheben bestellt hatte. Sie und ihre Nase, vielleicht auch noch ein bisschen zu hoch getragen, wandelt mit einer geradezu entzückenden Leichtigkeit durch den engen Gang der Maschine. Plötzlich bin ich völlig fasziniert, hatte ich mich doch schon einmal in ein solches Organ einer etwas größeren Dimension verliebt.

Auf dem Bildschirm an meinem Vordersitz erscheinen in wechselnden Maßstäben Karten dieses großen und kompakten Kontinents. Die Flugroute ist nur ein gerader Strich von Süd nach Nord, der kürzeste Weg eben.

In Gedanken folge ich meiner Route durch die bunte Topografie, mal im Süden, mal im Norden, und die Erinnerungen erscheinen in meinem Kopfkino mehr und mehr plastisch. Ein Spielfilm aus dem Bordprogramm könnte nicht phantasievoller sein. Die schönen, die wundervollen, die belastenden und die echt ätzenden Situationen wechseln sich ab, als wenn sie sich gegenseitig jagen würden. Und immer wieder verändert eine Stimme den Tonfall, die die Szenarien der vielen Orte in den vielen Ländern begleitet: „Matthias, Du bist wahnsinnig!“ oder „Matthias, Du bist ein Teufelskerl!“

Der nagelneue Airbus fliegt viel zu leise, denn das Schnarchen der betagteren Männer ist zu hören und stört mich bei meinen Gedanken. Nase hat sich hinter einen Vorhang zurückgezogen, denn die Fluggäste sind nun satt. Das Licht der Kabine wird bis auf eine Notbeleuchtung heruntergefahren, ein kurzer Nachtschlaf ist verordnet. Gott sei Dank arbeitet meine Karte weiter. Das Licht des Bildschirms stört den Franzosen neben mir nicht, er hat sich eine Decke über den Kopf gezogen. An Schlaf ist bei mir nicht zu denken. Bedrücktsein und Aufregung, ja auch ein bischen Freude auf zu Hause spielen abwechselnd mit mir.

Langsam, ganz langsam bewegt sich der Mittelpunkt mit dem klitzekleinen Flugzeugsymbol nordwärts. Immer tiefer tauche ich in das schwarze Afrika ein, dem ich nach Monaten Fahrt in Richtung Süden gerade erst entstiegen bin.

Ich suche fast schmerzerfüllt die Erinnerung an markante Punkte auf dieser Karte und frage mich wie so viele Reisende und Einheimische unterwegs: Warum bin ich allein gereist? Eigentlich bin ich ein Rudeltier und fühle mich am wohlsten in einer wuseligen Gruppe Gleichgesinnter. Doch gerade das macht den Reiz, die Herausforderung aus. Natürlich gab es genug Situationen, bei denen mir allein regelrecht der Arsch gegangen ist. Doch sie immer und überall zu meistern, ist mein Abenteuer und vielleicht auch meine Art von Männlichkeit, so ganz ohne die Stärke eines Herrn Schwarzenegger. Mir Höhepunkte zu setzen, die die große Masse nicht unbedingt anstrebt, ist genau mein Ding. Die Angst, im Alter davon ablassen zu müssen, war auch einer der vielen Gründe für diese Reise.

Die mutige Buchung einer Pauschalreise „all inclusive“ im Reisebüro um die Ecke ist mir zu einfach. Immer brav das zu machen, was eine Frau mir sagt, ist auch nicht meine Auffassung von gelebter Freiheit. Aber allein und weitab jeder westlichen Bequemlichkeit kann man hautnah spüren, was Selbstbestimmung, Einfühlungsvermögen, Leidensfähigkeit, Improvisationsvermögen und Durchhaltewillen ist. Das wollte ich erfahren, das habe ich gesucht und oft genug gefunden. Doch ich würde lügen, würde ich nicht zugeben, dass ich mir auch oft einen Partner in Gestalt einer Frau oder eines Freundes neben mir gewünscht habe, sei es nur dafür, die Begeisterung oder auch den Frust zu teilen.

Allein reisen hat aber noch einen anderen Vorteil, wenn man sich wirklich für die Menschen der Länder, die man durchfährt, interessiert. Erkannte man mich als Alleinreisender, kamen die Leute recht schnell auf mich zu, eigentlich überall. Auch musste ich ja allein auf die Menschen zugehen, brauchte ich Informationen, hatte ich Hunger oder brauchte ich Hilfe. Das Eis der Unterschiedlichkeit ist immer sehr rasch gebrochen. Viel Spaß und gute Gespräche kamen so überhaupt und auch viel, viel schneller zustande, als wenn man zu zweit oder in einer Gruppe reist.

Dass ich aus Deutschland gekommen bin, hat die Beschriftung an Wilhelm gut sichtbar durch die Länder getragen. Darauf war ich stolz und das hat mir überall Tür und Tor geöffnet. Mercedes Benz und Bayern München kennt man in den abgelegensten Hütten. Allerdings habe ich immer wieder gestaunt, dass fast jeder Afrikaner auch die peinliche Geschichte mit unserem neuen Berliner Flughafen kennt. Zuzugeben, dass Made in Germany auch nicht mehr das ist, was man sich in der Welt darunter immer noch vorstellt, war nicht immer ganz einfach zu vermitteln.

Wirklich ständig hatte ich Fragen zu beantworten, teils aus naiver Bewunderung, teils auch aus ehrlichem und oft intelligentem Interesse heraus. Hier habe ich gern und lange erzählt. Alles in allem glaube ich, immer ein guter Botschafter unseres Landes gewesen zu sein, was man von vielen unserer durch die Welt reisenden Mitmenschen leider nicht immer behaupten kann.

Das Licht in der Kabine geht an, als es draußen noch dunkel ist. Nase sieht trotz perfekter Schminke noch ein bisschen müde aus und beginnt ein kleines Frühstück zu servieren. Tomatensaft ist nicht mehr, Kaffee oder nicht Kaffee ist das Gebot der frühen Stunde. Vor den Toiletten stauen sich die vollen Blasen der langen Nacht. Auch meine Innereien lassen mich spüren, dass die Heimat näher kommt. Es fühlt sich seltsam an: ich bin aufgeregt, nach Hause zu kommen. Vielleicht auch, weil ich akzeptieren muss, dass mein Abenteuer nun zu Ende ist.

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